5 Tipps für den Einstieg als Assistenzarzt/-ärztin
Der Einstieg als Assistenzarzt/-ärztin gelingt mit der richtigen Vorbereitung. 5 konkrete Tipps für einen guten Start in Klinik und Weiterbildung.

Der erste Arbeitstag als Assistenzarzt oder Assistenzärztin fühlt sich anders an als jedes PJ-Tertial. Auf einmal unterschreibst du die Entlassbriefe selbst, das Stationstelefon hängt an deinem eigenen Kittel, und niemand fragt mehr vorsichtshalber nach, ob du dir sicher bist. Das muss keine Angst machen: Mit ein paar konkreten Handgriffen in den ersten Wochen läuft der Einstieg deutlich runder, und genau darum geht es hier.
Das Wichtigste in Kürze
• Lass dir Weiterbildungsbefugnis und Rotationsplan vor der Vertragsunterschrift schriftlich geben, nicht nur mündlich zusichern.
• Eine kleine Notfall-Karte mit den wichtigsten Nummern in der Kitteltasche erspart dir in der ersten Nacht Sucherei unter Stress.
• Leg dir von Anfang an kurze Notizen zu neuen Untersuchungen und Eingriffen an, das ersetzt dir später das Nachdenken unter Zeitdruck.
• Frag von dir aus nach 4 bis 6 Wochen um ein Feedbackgespräch, statt darauf zu warten, dass dein Weiterbilder von selbst darauf zukommt.
• Sprich Überstunden und eine dichte Nachtdienstlage früh und sachlich an, bevor sie zur Gewohnheit werden.
1. Weiterbildungsbefugnis und Rotationsplan vor Vertragsabschluss prüfen
Nicht jede Abteilung darf die komplette Facharztweiterbildung deines Zielfachs anbieten, auch wenn das im Gespräch gern etwas großzügiger klingt. Frag deshalb konkret nach: „Welche Abschnitte meiner Weiterbildungsordnung deckt ihr im Haus ab, und wohin würde ich für den Rest rotieren?“ Lass dir die Antwort schriftlich geben, nicht nur zusichern, und gleiche sie mit der Weiterbildungsordnung deiner Landesärztekammer ab. Fehlt zum Beispiel die Intensivstation oder die Notaufnahme im eigenen Haus, willst du früh wissen, ob und wann eine Rotation in eine Partnerklinik ansteht. Wer das erst nach der Unterschrift klärt, riskiert, dass Monate am Ende nicht angerechnet werden.
2. Leg dir in der ersten Woche eine eigene Notfall-Karte an
Schreib dir vor deinem ersten Dienst eine kleine Karte für die Kitteltasche: Telefonnummern von Hintergrunddienst, Reanimationsteam, Blutbank und Giftnotruf, dazu wo der Reanimationswagen steht und wie du dich ins Klinik-IT-System einloggst. Das klingt nach Kleinkram, spart dir aber in der Nacht genau die Minuten, in denen du unter Stress plötzlich die Durchwahl der Blutbank suchst. Frag am ersten Tag ruhig die Stationsleitung oder erfahrenere Assistenzärzt:innen danach. Niemand erwartet, dass du das alles schon im Kopf hast.
3. Notizen zu neuen Untersuchungen und Eingriffen anlegen
Leg dir ein kleines Notizbuch oder Notiz-App an: Sobald du etwas zum ersten Mal machst, etwa eine Lumbalpunktion oder ein bestimmtes Aufklärungsgespräch, schreib dir in ein paar Sätzen auf, wie du vorgegangen bist, was gut lief und worauf du beim nächsten Mal achten willst. Nach ein paar Wochen hast du dir so ein eigenes kleines Nachschlagewerk gebaut, in das du kurz vor der zweiten oder dritten Ausführung noch mal reinschauen kannst, statt dich komplett neu zu erinnern.
4. Früh Feedback und Unterstützung suchen
Warte nicht darauf, dass dein Weiterbilder von selbst auf dich zukommt. Schlag nach den ersten vier bis sechs Wochen ein kurzes Gespräch vor, mit zwei einfachen Fragen im Gepäck: „Bin ich für mein Weiterbildungsjahr auf einem guten Stand?“ und „Woran sollte ich als Nächstes arbeiten?“ Genauso gilt: Wenn dich etwas verunsichert, ob eine bestimmte Untersuchung oder ein Ablauf auf Station, sprich es an. Die meisten Oberärzt:innen erinnern sich noch gut an ihre eigenen ersten Wochen und reagieren gelassener darauf, als du vielleicht denkst.
5. Überstunden und Nachtdienst-Belastung früh ansprechen
Schieb ein Gespräch über Dienstplan und Überstunden nicht vor dir her. Zeichnet sich nach den ersten Wochen ab, dass du regelmäßig länger bleibst oder die Nachtdienste dichter liegen als vereinbart, sprich das zeitnah bei der Stationsleitung oder im nächsten Oberarztgespräch an, am besten sachlich und mit einem konkreten Beispiel. Je länger du wartest, desto eher wird daraus ein Zustand, an dem später schwerer etwas zu ändern ist.
Häufige Fragen zum Einstieg als Assistenzarzt/-ärztin
Wie lange dauert die Facharztweiterbildung als Assistenzarzt/-ärztin?
Je nach Fachrichtung dauert die Weiterbildung in der Regel fünf bis sechs Jahre. Die genaue Dauer und die einzelnen Abschnitte legt die Weiterbildungsordnung deiner zuständigen Landesärztekammer fest.
Was bedeutet Weiterbildungsbefugnis, und warum sollte ich sie vor Vertragsabschluss prüfen?
Die Weiterbildungsbefugnis erlaubt einer Klinik oder einer leitenden Ärztin beziehungsweise einem leitenden Arzt, bestimmte Abschnitte der Facharztweiterbildung anzubieten. Ohne ausreichende Befugnis wird die entsprechende Zeit später nicht oder nur teilweise angerechnet, deshalb lohnt sich der Blick vor der Unterschrift.
Wie spreche ich Überstunden an, ohne dass es wie eine Beschwerde wirkt? Am einfachsten mit konkreten Beispielen statt allgemeinen Aussagen, etwa mit Datum und Uhrzeit der betroffenen Dienste. Das wirkt sachlich und lässt sich leichter besprechen als ein pauschales „Ich habe zu viele Überstunden“.
Was mache ich, wenn meine erste Klinik nicht alle Weiterbildungsabschnitte meines Zielfachs anbietet?
Sprich frühzeitig mit deinem Weiterbilder oder deiner Weiterbilderin über eine Rotation in eine Partnerklinik. Ein Wechsel der Weiterbildungsstätte ist grundsätzlich möglich, sollte aber gut vorbereitet und rechtzeitig angekündigt sein.
Wo finde ich freie Assistenzarztstellen?
Aktuelle Assistenzarztstellen findest du in der Jobbörse von Einfach Medizin, gefiltert nach Fachrichtung und Anstellungsart.