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Oberarzt Gehalt 2026: Tarife, Stufen und Zulagen im Überblick

Oberarzt Gehalt 2026: Alle Tarifzahlen nach TV-Ärzte/VKA und TdL, Stufenaufstieg, Zulagen und Dienste. Plus die Eingruppierungsregeln, die wirklich zählen.

14 Min. Lesezeit7. August 2026
Oberarzt Gehalt 2026: Tarife, Stufen und Zulagen im Überblick

Steigt mit der Oberarztstelle wirklich das Gehalt spürbar, oder fällt der Sprung kleiner aus als gedacht? Die Tarifverträge geben darauf eine erstaunlich präzise Antwort, in einem Fall sogar eine unangenehme. Dieser Ratgeber zeigt die aktuellen Zahlen zum Oberarzt Gehalt 2026, die Eingruppierungsregeln dahinter und die Stellschrauben, an denen sich tatsächlich verhandeln lässt.

Oberarzt Gehalt 2026 auf einen Blick

Das Oberarzt Gehalt ist in Deutschland überwiegend tariflich geregelt, und zwar in zwei großen Systemen: dem TV-Ärzte/VKA für kommunale Krankenhäuser und dem TV-Ärzte für Universitätskliniken im Bereich der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Dazu kommen eigene Haustarifverträge der privaten Klinikkonzerne. Alle Zahlen in diesem Ratgeber beziehen sich auf Vollzeit bei 40 Stunden pro Woche, seit dem 1. Januar 2026 gilt diese Wochenarbeitszeit auch an den Unikliniken.

Arbeitgeber und Tarifvertrag

Gruppe

Einstiegsstufe

Höchste Stufe

Stand

Kommunale Kliniken (TV-Ärzte/VKA)

EG III

9.459,56 €

10.810,95 €

ab 01.06.2026

Universitätskliniken (TV-Ärzte/TdL)

Ä 3

9.576,69 €

11.265,33 €

ab 01.04.2026

Asklepios Kliniken

Oberarzt

9.475,00 €

10.510,00 €

ab 01.01.2026

Rhön (TV-Ärzte RKA, mit Strukturzulage)

Ä 3

9.167,00 €

10.161,00 €

ab 01.07.2025

Tabelle 1: Monatliches Grundentgelt für Oberärztinnen und Oberärzte im Vergleich, Vollzeit bei 40 Wochenstunden. Quelle: Entgelttabellen des Marburger Bundes.

Oberarzt Gehalt nach TV-Ärzte/VKA an kommunalen Kliniken

Der TV-Ärzte/VKA gilt bundesweit an kommunalen Krankenhäusern, mit Ausnahme des Landes Berlin. Er kennt vier Entgeltgruppen. Oberärztinnen und Oberärzte sind in der Entgeltgruppe III eingruppiert, leitende Oberärztinnen und Oberärzte in der Entgeltgruppe IV.

Zum 1. Juni 2026 sind die Tabellenwerte um 2,0 Prozent gestiegen. Die Entgeltgruppe III umfasst drei Stufen. Der Aufstieg richtet sich nach der Dauer der oberärztlichen Tätigkeit: Stufe 2 nach drei Jahren, Stufe 3 nach sechs Jahren (§ 19 Absatz 1 Buchstabe c TV-Ärzte/VKA). In der Entgeltgruppe IV gibt es nur zwei Stufen, hier folgt Stufe 2 ebenfalls nach drei Jahren.

Entgeltgruppe

Stufe 1 (ab 1. Jahr)

Stufe 2 (ab 4. Jahr)

Stufe 3 (ab 7. Jahr)

EG III: Oberärztin / Oberarzt

9.459,56 €

10.015,53 €

10.810,95 €

EG IV: Leitende Oberärztin / Leitender Oberarzt

11.127,50 €

11.922,95 €

nicht vorhanden

Zum Vergleich, EG II: Fachärztin / Facharzt

7.552,19 €

8.185,40 € (ab 4. J.)

9.698,91 € (Stufe 6)

Tabelle 2: Tabellenentgelte TV-Ärzte/VKA, Anlage zu § 18, gültig ab 1. Juni 2026 bis 31. Dezember 2026. Quelle: Marburger Bund.

Ein Detail, das in vielen Gehaltsvergleichen untergeht: Der TV-Ärzte/VKA sieht keine Jahressonderzahlung vor. Als besondere Zahlungen nennt § 24 lediglich vermögenswirksame Leistungen von 6,65 Euro monatlich, ein Jubiläumsgeld von 350 Euro nach 25 und 500 Euro nach 40 Beschäftigungsjahren sowie das Sterbegeld. Das Jahresbrutto ergibt sich damit im Wesentlichen aus zwölf Monatsentgelten plus Diensten.

Oberarzt Gehalt an der Uniklinik nach TV-Ärzte/TdL

An den Universitätskliniken gilt der TV-Ärzte in der Fassung der Vereinbarungen zwischen Marburger Bund und Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Am 9. Juni 2026 haben sich beide Seiten in der dritten Verhandlungsrunde auf ein Ergebnis für rund 25.000 Ärztinnen und Ärzte geeinigt. Die Große Tarifkommission des Marburger Bundes hat die Einigung am 30. Juni 2026 angenommen.

Die Entgelte steigen in zwei Schritten: um 2,95 Prozent rückwirkend zum 1. April 2026 und um weitere 2,45 Prozent zum 1. September 2027. Die Laufzeit endet am 31. Juli 2028. Die unten stehenden Werte stammen aus den vorläufigen Entgelttabellen des Marburger Bundes, die redaktionelle Endfassung des Tarifvertrags stand zum Redaktionsschluss noch aus.

Für Oberärztinnen und Oberärzte ist eine strukturelle Änderung wichtiger als die Prozentzahl: Seit dem 1. Januar 2026 umfasst die Entgeltgruppe Ä 3 vier statt drei Stufen (§ 16 Absatz 1 TV-Ärzte). Die vierte Stufe wird ab dem 10. Jahr oberärztlicher Tätigkeit erreicht und liegt auf dem Niveau der Einstiegsstufe eines Chefarztvertreters. Im kommunalen Bereich existiert diese vierte Stufe nicht.

Entgeltgruppe

Stufe

ab 01.04.2026

ab 01.09.2027

Ä 3 Oberärztin / Oberarzt

Stufe 1 (ab 1. Jahr)

9.576,69 €

9.811,32 €

Ä 3

Stufe 2 (ab 4. Jahr)

10.139,57 €

10.387,99 €

Ä 3

Stufe 3 (ab 7. Jahr)

10.944,77 €

11.212,92 €

Ä 3

Stufe 4 (ab 10. Jahr)

11.265,33 €

11.541,33 €

Ä 4 Ständige Vertretung

Stufe 1 (ab 1. Jahr)

11.265,33 €

11.541,33 €

Ä 4

Stufe 2 (ab 4. Jahr)

12.070,52 €

12.366,25 €

Ä 4

Stufe 3 (ab 7. Jahr)

12.711,58 €

13.023,01 €

Tabelle 3: Vorläufige Entgelttabellen TdL zur Tarifeinigung vom 9. Juni 2026, Vollzeit bei 40 Wochenstunden. Quelle: Marburger Bund.

Wichtig für die Orientierung bei der Stellensuche: Der Tarifvertrag greift nur bei Trägern, die Mitglied der TdL oder eines TdL-Mitgliedverbands sind (§ 1 TV-Ärzte). Mehrere große Standorte fallen deshalb nicht darunter, unter anderem die Universitätskliniken in Hamburg, Berlin, Mainz und in Hessen. Dort gelten eigene Regelungen.

Wann giltst du tariflich als Oberärztin oder Oberarzt?

Diese Frage entscheidet über mehrere tausend Euro im Jahr, und sie sorgt in der Praxis regelmäßig für Streit. Der Grund: Ein Oberarzttitel auf dem Türschild oder in der E-Mail-Signatur begründet keinen Anspruch auf die höhere Entgeltgruppe.

Der TV-Ärzte/VKA definiert in der Protokollerklärung zu § 16 Buchstabe c: Oberärztin oder Oberarzt ist, wem die medizinische Verantwortung für selbstständige Teil- oder Funktionsbereiche der Klinik beziehungsweise Abteilung vom Arbeitgeber ausdrücklich übertragen worden ist. Drei Merkmale müssen also zusammenkommen: medizinische Verantwortung, ein abgrenzbarer Teil- oder Funktionsbereich und eine ausdrückliche Übertragung durch den Arbeitgeber.

Der Tarifvertrag für die Universitätskliniken geht an dieser Stelle weiter. § 12 TV-Ärzte nennt neben der Verantwortung für Teil- oder Funktionsbereiche eine zweite Variante: Oberarzt ist ferner die Fachärztin oder der Facharzt in einer vom Arbeitgeber übertragenen Spezialfunktion, für die dieser eine erfolgreich abgeschlossene Schwerpunkt- oder Zusatzweiterbildung fordert. Wer also an einer Uniklinik eine Spezialfunktion übernimmt, die eine Zusatzweiterbildung voraussetzt, kann auch ohne klassische Bereichsleitung in Ä 3 gehören.

Praktische Konsequenz für die Vertragsverhandlung: Die Übertragung gehört schriftlich in den Arbeitsvertrag oder in eine Nebenabrede, mit klarer Benennung des Bereichs oder der Spezialfunktion. Nach § 15 Absatz 3 TV-Ärzte/VKA ist die Entgeltgruppe ohnehin im Arbeitsvertrag anzugeben.

Die Stufenfalle beim Aufstieg in die Entgeltgruppe III

Jetzt zur unangenehmen Antwort aus dem Intro. Wer als Fachärztin oder Facharzt an einer kommunalen Klinik die Endstufe erreicht hat, verdient dort nach der Tabelle ab Juni 2026 9.698,91 Euro. Die erste Stufe der Oberarztgruppe liegt bei 9.459,56 Euro. Der Aufstieg in die höhere Entgeltgruppe würde rechnerisch also 239,35 Euro im Monat kosten.

Der Tarifvertrag hat das erkannt. § 20 Absatz 4 Satz 2 TV-Ärzte/VKA regelt: Wer aus der Entgeltgruppe II Stufe 6 in die Entgeltgruppe III Stufe 1 höhergruppiert wird, erhält so lange weiter das Entgelt der Entgeltgruppe II Stufe 6, bis der Anspruch aus der neuen Gruppe darüber liegt. Das schützt vor einem Rückschritt, bedeutet aber auch: In den ersten drei Jahren als Oberärztin oder Oberarzt bleibt das Grundgehalt in dieser Konstellation unverändert. Erst mit Stufe 2 nach drei Jahren geht es spürbar nach oben.

Genau hier liegt der wichtigste Verhandlungshebel. Nach § 20 Absatz 5 TV-Ärzte/VKA kann der Arbeitgeber zur Deckung des Personalbedarfs oder zur Bindung qualifizierter Fachkräfte ein um bis zu zwei Stufen höheres Entgelt vorweg gewähren. An den Unikliniken enthält § 16 Absatz 3 TV-Ärzte eine gleichlautende Regelung, dort zusätzlich mit der Möglichkeit, in der Endstufe bis zu 20 Prozent der Stufe 2 obendrauf zu zahlen. Wer die Beförderung verhandelt, sollte die Vorweggewährung von sich aus ansprechen, denn von allein bietet sie kaum ein Haus an.

Zulagen, Dienste und Prämien: as zum Grundgehalt kommt

Beim Oberarzt Gehalt verschiebt sich die Zusammensetzung gegenüber den Assistenzarztjahren. Der Anteil aus Nachtdiensten sinkt in vielen Abteilungen, der Anteil aus Hintergrund- und Rufbereitschaftsdiensten steigt. Die tariflichen Bausteine im Einzelnen:

Bereitschaftsdienst

Der TV-Ärzte/VKA bewertet Bereitschaftsdienst je nach erfahrungsgemäßem Arbeitsanfall mit 70, 85 oder 100 Prozent als Arbeitszeit (§ 12 Absatz 1). Für die so gewertete Zeit gilt eine eigene Stundentabelle. Zusätzlich fallen 15 Prozent Zuschlag je Stunde an, die nicht in Freizeit abgegolten werden können, sowie 15 Prozent Zeitzuschlag für Nachtstunden. Ab dem fünften Dienst im Monat erhöht sich die Bewertung um jeweils 10 Prozentpunkte pro weiterem Dienst.

An den Universitätskliniken funktioniert es anders: Dort gibt es nur zwei Bereitschaftsdienststufen mit 60 und 95 Prozent Bewertung, dafür wird die gewertete Zeit mit dem individuellen Stundenentgelt der eigenen Entgeltgruppe und Stufe bezahlt (§ 9 Absatz 2 TV-Ärzte). An Feiertagen erhöht sich die Bewertung um 25 Prozentpunkte.

Tarifvertrag

Gruppe

Stufe 1 und 2

Stufe 3

Stand

TV-Ärzte/VKA

EG III

47,33 €

48,72 €

ab 01.06.2026

TV-Ärzte/VKA

EG IV

51,50 €

nicht vorhanden

ab 01.06.2026

TV-Ärzte Asklepios

Oberarzt

57,56 €

60,43 €

ab 01.01.2026

TV-Ärzte Asklepios

CA-Vertreter

63,97 €

nicht vorhanden

ab 01.01.2026

Tabelle 4: Bereitschaftsdienstentgelt je gewerteter Stunde, ohne die zusätzlichen prozentualen Zuschläge. Quelle: Marburger Bund.

Rufbereitschaft und Zeitzuschläge

Für Rufbereitschaft zahlt der TV-Ärzte/VKA eine Tagespauschale: von Montag bis Freitag das Zweifache, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen das Vierfache des Stundenanteils des eigenen Tabellenentgelts. Dauert eine Rufbereitschaft weniger als zwölf Stunden, werden je angefangener Stunde 12,5 Prozent gezahlt. Ab der vierzehnten Rufbereitschaft im Kalendermonat kommt ein Zuschlag von 10 Prozent dazu, der sich nach jeder weiteren dritten Rufbereitschaft um weitere 10 Prozentpunkte erhöht. Wer zwischen 0 und 6 Uhr herausgerufen wird, erhält zusätzlich 50 Prozent auf das Entgelt für die Inanspruchnahme.

Bei den Zeitzuschlägen gibt es einen Vorteil, der ausschließlich für die Entgeltgruppen III und IV gilt: Während sie sonst nach Stufe 3 der jeweiligen Gruppe berechnet werden, bemisst § 11 Absatz 1 TV-Ärzte/VKA sie für Oberärztinnen, Oberärzte und Chefarztvertretungen nach der höchsten tariflichen Stufe. Die Sätze selbst sind identisch: 15 Prozent für Überstunden, 20 Prozent für Nachtarbeit, 25 Prozent für Sonntagsarbeit und 135 Prozent für Feiertagsarbeit ohne Freizeitausgleich.

Prämien, Poolgelder und Drittmittel

Kommunale Häuser können nach § 21 TV-Ärzte/VKA leistungs- und erfolgsorientierte Entgelte zahlen, intern meist Vario-Ä genannt. Grundlage ist eine freiwillige, schriftliche Zielvereinbarung, einen Anspruch auf ihren Abschluss gibt es nicht. An Universitätskliniken kommen zwei weitere Bausteine dazu: die Beteiligung an Poolgeldern aus der privatärztlichen Liquidation, die nach § 3 Absatz 4 TV-Ärzte nach transparenten Grundsätzen unter Berücksichtigung von Verantwortung, Leistung und Erfahrung erfolgen muss, sowie eine Sonderzahlung im Drittmittelbereich von bis zu 10 Prozent des Jahrestabellenentgelts (§ 18 TV-Ärzte).

Oberarzt Gehalt bei privaten Klinikkonzernen

Die großen privaten Träger verhandeln eigene Tarifverträge mit dem Marburger Bund. Die Systematik ähnelt dem kommunalen Modell, die Laufzeiten und Stufensprünge weichen aber ab. Zwei Beispiele mit belastbaren, öffentlich zugänglichen Tabellen:

Tarifvertrag

Stufe 1

Stufe 2

Stufe 3

Gültig

Asklepios

9.475,00 €

10.010,00 €

10.510,00 €

01.01. bis 31.12.2026

Asklepios

9.690,00 €

10.240,00 €

10.750,00 €

01.01. bis 30.06.2027

Rhön / RKA, mit Strukturzulage

9.167,00 €

9.664,00 €

10.161,00 €

01.07.2025 bis 30.08.2026

Rhön / RKA, mit Strukturzulage

9.397,00 €

9.906,00 €

10.416,00 €

01.09.2026 bis 31.08.2027

Tabelle 5: Monatliches Grundentgelt für Oberärztinnen und Oberärzte bei privaten Trägern. Quelle: Marburger Bund.

Auffällig ist die Konstruktion bei Rhön: Zum Tabellenentgelt kommt eine Strukturzulage von 300 Euro in der ersten und 400 Euro in den weiteren Stufen. Hinter der höchsten Stufe steht in der Tabelle der Vermerk "danach AT", die Vergütung wird also außertariflich weiterverhandelt. Diese Möglichkeit ist auch im kommunalen Bereich vorgesehen: Nach § 18 Absatz 2 TV-Ärzte/VKA darf für die Entgeltgruppen III und IV ein außertarifliches Entgelt vereinbart werden, sobald eine angemessene Zeit in der letzten Stufe verbracht wurde.

Bei einigen weiteren Konzernen liegen die Entgelttabellen nur als eingescannte Dokumente vor, deren Werte sich nicht zuverlässig auslesen lassen. Sie bleiben hier bewusst außen vor, statt aus zweiter Hand zitiert zu werden.

Leitender Oberarzt: Was die Entgeltgruppe IV bringt

Die Entgeltgruppe IV ist die letzte tariflich geregelte Stufe vor der Chefarztposition, denn Chefärztinnen und Chefärzte mit einzelvertraglich vereinbarten Arbeitsbedingungen fallen ausdrücklich nicht mehr unter den Tarifvertrag (§ 1 Absatz 2 TV-Ärzte/VKA). Kommunal beginnt sie bei 11.127,50 Euro und endet bei 11.922,95 Euro, an den Unikliniken reicht die Spanne von 11.265,33 bis 12.711,58 Euro.

Der Zugang ist allerdings eng geführt. Beide Tarifverträge verlangen, dass die ständige Vertretung der leitenden Ärztin oder des leitenden Arztes ausdrücklich übertragen wurde. Die Protokollerklärungen präzisieren: Leitende Oberärztin oder leitender Oberarzt ist nur, wer die Chefärztin oder den Chefarzt in der Gesamtheit der Dienstaufgaben vertritt. Das Tätigkeitsmerkmal kann innerhalb einer Klinik in der Regel nur von einer einzigen Person erfüllt werden. Wer im Haus als "leitender Oberarzt" geführt wird, ohne diese umfassende Vertretung übertragen bekommen zu haben, hat tariflich keinen Anspruch auf die Entgeltgruppe IV.

Vom Facharzt auf die Oberarztstelle

Einen tariflich definierten Weg zur Oberarztstelle gibt es nicht. Vorausgesetzt wird die abgeschlossene Facharztweiterbildung, in vielen Fächern zusätzlich eine Schwerpunkt- oder Zusatzweiterbildung, dazu die Bereitschaft, einen Bereich fachlich und personell zu führen. Was der Tarifvertrag regelt, sind die Übergangsformen dorthin, und die sind für die Gehaltsverhandlung durchaus relevant.

•   Vorübergehende Übertragung: Wird dir eine höherwertige Tätigkeit vorübergehend übertragen und übst du sie mindestens einen Monat aus, steht dir nach § 17 TV-Ärzte/VKA eine persönliche Zulage zu, rückwirkend ab dem ersten Tag. Sie entspricht dem Unterschiedsbetrag zur Vergütung bei dauerhafter Übertragung.

•   Führung auf Probe: Nach § 32 TV-Ärzte/VKA können Führungspositionen befristet für bis zu zwei Jahre vereinbart werden, mit höchstens zweimaliger Verlängerung. Besteht bereits ein Arbeitsverhältnis im Haus, gibt es für diese Zeit eine Zulage in Höhe der Höhergruppierungsdifferenz. Bewährst du dich, wird die Funktion dauerhaft übertragen.

•   Stufenvorweggewährung: bis zu zwei Stufen höher, wenn der Arbeitgeber Personal binden oder gewinnen will (§ 20 Absatz 5 TV-Ärzte/VKA, § 16 Absatz 3 TV-Ärzte).

•   Fortbildung: Für Kongresse und ärztliche Fortbildungen sind bis zu drei Arbeitstage im Kalenderjahr unter Entgeltfortzahlung freizustellen, bei Kostenerstattung durch Dritte bis zu fünf Tage.

Ein Punkt, den viele erst nach der Zusage bemerken: Der Erholungsurlaub unterscheidet sich zwischen den Systemen. Der TV-Ärzte/VKA sieht 31 Arbeitstage vor, der TV-Ärzte an den Unikliniken 30 Arbeitstage. Bei Bereitschaftsdiensten in den Nachtstunden kommt kommunal zusätzlicher Urlaub dazu, gestaffelt nach geleisteten Stunden.

Brutto, netto und der Ausblick auf 2027

Eine seriöse Nettoangabe lässt sich aus den Tabellenwerten allein nicht ableiten. Zu viele individuelle Faktoren wirken mit: Steuerklasse, Kirchensteuerpflicht, Bundesland, Mitgliedschaft im ärztlichen Versorgungswerk statt in der gesetzlichen Rentenversicherung, gesetzliche oder private Krankenversicherung sowie der Anteil variabler Bestandteile aus Diensten. Wer eine belastbare Zahl braucht, rechnet am besten mit dem Tarifrechner des Marburger Bundes oder lässt sich vom zuständigen Landesverband beraten.

Für die Planung wichtiger sind die Laufzeiten. Die kommunale Entgelttabelle gilt bis zum 31. Dezember 2026, die Anlage zu § 18 kann frühestens zu diesem Termin gekündigt werden. Eine neue Tarifrunde für die kommunalen Krankenhäuser steht damit unmittelbar bevor. An den Universitätskliniken ist die Lage bis zum 31. Juli 2028 geklärt, mit der zweiten Erhöhung um 2,45 Prozent zum 1. September 2027. Zusätzlich haben sich die Arbeitgeber verpflichtet, ab Juni 2027 in Verhandlungen über eine umfassende Revision des TV-Ärzte einzutreten.

Häufige Fragen

Wie viel verdient ein Oberarzt 2026 im Monat?

An kommunalen Kliniken liegt das tarifliche Grundgehalt in der Entgeltgruppe III zwischen 9.459,56 Euro und 10.810,95 Euro brutto (Stand ab 1. Juni 2026). An Universitätskliniken reicht die Spanne in Ä 3 von 9.576,69 Euro bis 11.265,33 Euro (Stand ab 1. April 2026). Dienste, Zulagen und Prämien kommen hinzu.

Wann steigt man als Oberarzt in die nächste Stufe?

Im kommunalen Bereich nach drei Jahren oberärztlicher Tätigkeit in Stufe 2 und nach sechs Jahren in Stufe 3. An den Unikliniken gilt derselbe Rhythmus, dort folgt seit 2026 zusätzlich eine vierte Stufe ab dem 10. Jahr. Maßgeblich sind die Zeiten oberärztlicher Tätigkeit, nicht die Berufsjahre insgesamt.

Verdient ein Oberarzt an der Uniklinik mehr als an einer kommunalen Klinik?

Nach Tabelle ja, in jeder Stufe. Der Abstand beträgt in der Einstiegsstufe rund 117 Euro und wächst in den oberen Stufen. Dazu kommt an den Unikliniken die vierte Stufe, die kommunal fehlt. Gegenzurechnen sind Forschungs- und Lehraufgaben sowie ein Urlaubstag weniger pro Jahr.

Was ist der Unterschied zwischen Oberarzt und leitendem Oberarzt?

Oberärztinnen und Oberärzte tragen die medizinische Verantwortung für einen Teil- oder Funktionsbereich. Leitende Oberärztinnen und Oberärzte vertreten die Chefärztin oder den Chefarzt in der Gesamtheit der Dienstaufgaben. Nach der Protokollerklärung zum Tarifvertrag kann diese Position innerhalb einer Klinik in der Regel nur eine Person ausfüllen.

Gibt es für Oberärzte eine Jahressonderzahlung?

Der TV-Ärzte/VKA sieht keine vor. § 24 nennt als besondere Zahlungen nur vermögenswirksame Leistungen, Jubiläumsgeld und Sterbegeld. Einzelne Haustarifverträge privater Träger und außertarifliche Vereinbarungen können abweichende Regelungen enthalten.

Quellen

  1. Entgelttabellen und Bereitschaftsdienstentgelte im Geltungsbereich des TV-Ärzte/VKAMarburger Bund · 2025Abgerufen am 06.08.2026marburger-bund.de
  2. Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) i.d.F. des Änderungstarifvertrags Nr. 10Marburger Bund · 2026Abgerufen am 06.08.2026marburger-bund.de
  3. Vorläufige Entgelttabellen TdL zur Tarifeinigung vom 9. Juni 2026Marburger Bund · 2026Abgerufen am 06.08.2026marburger-bund.de
  4. Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken (TV-Ärzte) i.d.F. des Änderungstarifvertrags Nr. 9Tarifgemeinschaft deutscher Länder und Marburger Bund · 2025Abgerufen am 06.08.2026marburger-bund.de
  5. Marburger Bund erzielt Tarifeinigung für Ärztinnen und Ärzte an UniklinikenMarburger Bund · 2026Abgerufen am 06.08.2026marburger-bund.de
  6. Große Tarifkommission beschließt Annahme der TarifeinigungMarburger Bund · 2026Abgerufen am 06.08.2026marburger-bund.de
  7. Vorläufige Entgelttabellen und Bereitschaftsdienstentgelte Asklepios Kliniken GmbH & Co KGaAMarburger Bund · 2025Abgerufen am 06.08.2026marburger-bund.de
  8. Tarifrunde 2025 TV-Ärzte RKA: Entgelttabellen RhönMarburger Bund · 2026Abgerufen am 06.08.2026marburger-bund.de
  9. Tarifeinigung für Ärztinnen und Ärzte an UniklinikenHaufe Online-Redaktion · 2026Abgerufen am 06.08.2026haufe.de

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