Pflegestudium: Wann lohnt sich der akademische Weg in die Pflege?
Pflegestudium statt klassischer Ausbildung? Wir zeigen, wie sich Vergütung, Gehalt und Karrierechancen unterscheiden und für wen sich der Weg lohnt.

Schulabschluss in Sicht oder schon mitten in der Pflegeausbildung: Die Frage nach dem Pflegestudium taucht meist genau in diesen Momenten auf. Seit 2024 hat sich einiges geändert, das Studium läuft jetzt dual, ist vergütet und schließt trotzdem mit einem Bachelor ab. Ob sich der zusätzliche Aufwand für dich auszahlt, hängt vor allem davon ab, wohin du beruflich willst.
Das Wichtigste in Kürze
• Seit 2024 ist das Pflegestudium ein vergütetes duales Studium (Pflegestudiumstärkungsgesetz, PflStudStG).
• 2025 haben rund 800 Menschen neu ein Pflegestudium begonnen, insgesamt gab es zum Jahresende etwa 1.800 Pflegestudierende (Destatis).
• Zum Vergleich: Im selben Jahr starteten rund 63.900 Menschen eine klassische Pflegeausbildung.
• Das Einstiegsgehalt unterscheidet sich kaum von der klassischen Ausbildung, der Vorteil zeigt sich erst in Fach- und Führungspositionen.
• Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine Akademisierungsquote von 10 bis 20 Prozent, aktuell liegt Deutschland deutlich darunter.
• Ein Bachelorabschluss öffnet Wege in Pflegemanagement, Pflegepädagogik, Pflegewissenschaft und Advanced Practice Nursing (APN).
Was ist ein Pflegestudium genau?
Ein Pflegestudium ist im Kern eine akademische Variante der Pflegeausbildung. Rechtliche Grundlage ist Paragraf 37 des Pflegeberufegesetzes (PflBG). Anders als bei einem klassischen Studium erwirbst du dabei nicht nur einen akademischen Grad, sondern gleichzeitig die staatliche Zulassung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Fachleute sprechen deshalb von einer primärqualifizierenden hochschulischen Pflegeausbildung.
Seit der Reform durch das Pflegestudiumstärkungsgesetz, das am 1. Januar 2024 in Kraft trat, ist das Pflegestudium als duales Studium organisiert. Du schließt also einen Ausbildungsvertrag mit einem Praxispartner ab, zum Beispiel einem Krankenhaus, und gleichzeitig einen Studienvertrag mit einer Hochschule. Die staatliche Prüfung für die Berufszulassung ist Teil deiner Bachelorprüfung.
Pflegestudium vs. klassische Ausbildung: Was unterscheidet die beiden Wege?
Beide Wege führen zum gleichen Berufsabschluss, der Unterschied liegt in Struktur, Abschluss und Zugangsvoraussetzungen. Die klassische Ausbildung dauert drei Jahre in Vollzeit, das Pflegestudium meist sieben bis acht Semester. Bei der Ausbildung schließt du einen Vertrag mit dem Träger der praktischen Ausbildung, beim Studium dagegen einen Vertrag sowohl mit der Hochschule als auch mit einem Praxispartner. Am Ende der Ausbildung stehst du als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann da, das Studium bringt zusätzlich den Bachelorabschluss.
Vergütet werden inzwischen beide Wege: die Ausbildung tariflich geregelt, das Studium seit 2024 durchgehend über das Pflegestudiumstärkungsgesetz. Beim Zugang unterscheiden sich die Wege stärker: Für die Ausbildung reicht meist ein mittlerer Schulabschluss, für das Studium verlangen die Hochschulen in der Regel die (Fach-)Hochschulreife. Der praktische Anteil liegt bei der Ausbildung bei rund 2.500 Stunden, beim Studium bei rund 2.300 Stunden.
Seit wann wird das Pflegestudium vergütet?
Vor 2024 war das Pflegestudium für viele unattraktiv, obwohl die praktischen Anforderungen mit rund 2.300 Stunden ähnlich hoch waren wie in der Ausbildung. Studierende mussten sich ihren Lebensunterhalt zusätzlich verdienen, meist in der vorlesungsfreien Zeit, weil es keine durchgehende Vergütung gab. Die Folge: Hunderte Studienplätze blieben unbesetzt.
Das Pflegestudiumstärkungsgesetz hat das geändert. Seit 2024 erhältst du für die gesamte Dauer deines Pflegestudiums eine Ausbildungsvergütung, die sich an der klassischen Pflegeausbildung orientiert. Auch der praktische Teil des Studiums ist inzwischen in das bestehende Finanzierungssystem der Pflegeausbildung eingebunden.
Wie gefragt ist das Pflegestudium aktuell?
Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts haben 2025 rund 800 Menschen neu ein Pflegestudium begonnen, etwa 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Jahresende 2025 befanden sich insgesamt rund 1.800 Personen in einem Pflegestudium (Quelle: Destatis, Pressemitteilung vom März 2026). Zum Vergleich: Im selben Jahr starteten rund 63.900 Menschen eine klassische Pflegeausbildung.
Der Frauenanteil unter Pflegestudierenden liegt mit 77 Prozent noch etwas höher als in der klassischen Ausbildung mit 71 Prozent. Der Wissenschaftsrat empfiehlt für eine gute Versorgungsqualität eigentlich eine Akademisierungsquote von 10 bis 20 Prozent aller Pflegeausbildungen. Davon ist Deutschland mit einem Anteil von deutlich unter einem Prozent nach wie vor weit entfernt, wie Fachvertreter:innen der Pflegewissenschaft bestätigen.
Lohnt sich das Pflegestudium finanziell?
Direkt nach dem Abschluss unterscheidet sich dein Gehalt als Bachelorabsolvent:in meist kaum von dem einer klassisch ausgebildeten Pflegefachkraft. Der finanzielle Vorteil des Studiums zeigt sich in der Regel erst mittel- bis langfristig, etwa wenn du dich Richtung Spezialisierung, Management oder Advanced Practice Nursing weiterentwickelst.
Nach Auswertungen des Stepstone Gehaltsplaners (Stand 2025) liegt das Mediangehalt einer Pflegefachkraft mit klassischer Ausbildung bei rund 3.600 Euro brutto im Monat. Mit einer Spezialisierung, etwa als Fachkrankenpfleger:in für Psychiatrie, sind auch ohne Studium rund 4.400 Euro und mehr möglich. Akademische Pflegefachpersonen starten laut einer beispielhaften Tarifstruktur (Stand Dezember 2025) mit einem Grundgehalt von rund 3.460 bis 4.260 Euro, zuzüglich einer Pflegezulage von 225 bis 350 Euro. Wer als Pflegeexpert:in im Bereich Advanced Practice Nursing arbeitet, verdient laut gesundheitsberufe.de mit Bachelorabschluss zwischen rund 2.600 und 4.900 Euro, mit Masterabschluss zwischen rund 2.600 und 5.900 Euro.
Die Spannen zeigen: Konkrete Gehälter hängen stark von Arbeitgeber, Bundesland, Tarifbindung und zusätzlichen Zuschlägen ab. Ein Bachelorabschluss allein garantiert noch kein höheres Gehalt, entscheidend ist meist die konkrete Stelle und die damit verbundene Verantwortung.
Welche Karrierewege öffnet der akademische Weg?
Nach dem Bachelor stehen dir mehrere Richtungen offen, die mit einer rein beruflichen Ausbildung schwerer erreichbar sind:
• Pflegemanagement: Stationsleitung, Bereichsleitung, perspektivisch Pflegedirektion
• Pflegepädagogik: Lehrtätigkeit an Pflegeschulen oder Hochschulen
• Pflegewissenschaft: Forschung, häufig verbunden mit einem weiterführenden Masterstudium
• Advanced Practice Nursing (APN): erweiterte klinische Aufgaben, etwa im Wundmanagement oder Medikamentenmanagement
Für wen lohnt sich das Pflegestudium, für wen eher nicht?
Wenn du schon während der Schulzeit weißt, dass du perspektivisch Richtung Führung, Lehre oder Forschung willst, sparst du dir mit dem Studium einen späteren Umweg über ein zusätzliches, additives Studium.
Willst du dagegen möglichst schnell in der direkten Patientenversorgung arbeiten und dich erst später spezialisieren, ist die klassische dreijährige Ausbildung oft der pragmatischere Einstieg. Viele Bachelorabsolvent:innen arbeiten anfangs ohnehin am Bett, ganz ohne erweiterten Aufgabenbereich.
Bist du bereits examinierte Pflegefachkraft und überlegst ein additives Studium, lohnt sich vorab ein Blick auf konkrete Stellenprofile in deiner Wunschregion. Akademische Kompetenzen werden bislang nicht überall in eigene Aufgabenbereiche und Gehaltsstufen übersetzt.
Wie bewirbst du dich für ein Pflegestudium?
Für die Zulassung verlangen die meisten Hochschulen die (Fach-)Hochschulreife. Einige Studiengänge öffnen sich auch für Bewerber:innen ohne Abitur, etwa in Kombination mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und Berufserfahrung, das regelt jede Hochschule individuell.
Weil das Studium dual organisiert ist, brauchst du neben dem Studienplatz auch einen Praxispartner, meist ein Krankenhaus, eine Pflegeeinrichtung oder einen ambulanten Dienst, mit dem du den Ausbildungsvertrag abschließt. Viele Kliniken kooperieren bereits fest mit Hochschulen in ihrer Region und schreiben Pflegestudienplätze ähnlich wie klassische Ausbildungsplätze aus. Ein Blick in aktuelle Stellenangebote für Pflegefachpersonen und Pflegestudium-Plätze lohnt sich deshalb parallel zur Hochschulbewerbung.
Häufige Fragen zum Pflegestudium
Verdiene ich im Pflegestudium mehr als in der Ausbildung?
In der Regel nicht direkt am Anfang. Seit 2024 orientiert sich die Vergütung im dualen Pflegestudium an der klassischen Ausbildungsvergütung. Echte Gehaltsvorteile zeigen sich meist erst nach dem Abschluss in Fach- oder Führungspositionen.
Brauche ich Abitur für ein Pflegestudium?
Meist ja, viele Hochschulen setzen die (Fach-)Hochschulreife voraus. Einige bieten Zugänge über eine abgeschlossene Berufsausbildung plus Berufserfahrung an, das entscheidet jede Hochschule selbst.
Wie lange dauert ein Pflegestudium?
In Vollzeit dauert das primärqualifizierende Pflegestudium meist sieben bis acht Semester, je nach Hochschule und Studienmodell.
Kann ich nach der Ausbildung noch ein Pflegestudium draufsetzen?
Ja, das nennt sich additives oder ausbildungsbegleitendes Studium. Es baut auf der bereits abgeschlossenen Ausbildung auf und ist meist kürzer als das primärqualifizierende Pflegestudium.
Wird der Abschluss europaweit anerkannt?
Ja. Sowohl die klassische generalistische Ausbildung als auch das Pflegestudium führen zu einem Berufsabschluss, der über die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie automatisch in anderen EU-Staaten anerkannt wird.
Was ist der Unterschied zum Pflegewissenschaft-Studium?
Ein reines Pflegewissenschaft-Studium ist meist ein Zweitstudium ohne eigene Berufszulassung und setzt in einigen Fällen eine bereits abgeschlossene Pflegeausbildung voraus. Das primärqualifizierende Pflegestudium dagegen vermittelt Berufszulassung und Bachelor gleichzeitig.
Quellen
• Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Pflegeberufegesetz
• Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Hochschulische Pflegeausbildung
• Bibliomed Pflege: Akademisierung der Pflege, Der Durchbruch kam erst 2024 (Januar 2026)
• Stepstone: Ist mit einem Pflegestudium mehr Gehalt möglich? (Gehaltsplaner-Auswertung 2025)
• gesundheitsberufe.de: Berufsbild Pflegeexperte / Advanced Practice Nursing: